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15.08.2020, 10:22 Uhr | Bremervörder Zeitung - Theo Bick
Imbusch oder Pingel? Aus 2 mach 1!
Bürgermeisterschaftswahl 2021: CDU bestimmt ihren Kandidaten am 27. August bei Nominierungsveranstaltung in Iselersheim

Es ist ein Duell ohne klaren Favoriten, das am 27. August von den Bremervörder CDU-Mitgliedern entschieden werden soll: Der Zweikampf um die Position als CDU-Kandidat bei der Bürgermeisterwahl im Herbst 2021 zwischen Frank Pingel und Stefan Imbusch. Während Pingel seit 2001 im Stadtrat sitzt und damit ein "alter Hase" in der Bremervörder Kommunalpolitik ist, bezeichnet sich Imbusch, "erst" 2016 in den Stadtrat gewählt, als "politischer Newcomer". Beide Kandidaten waren in den vergangenen Wochen hinter den Kulissen keineswegs untätig. Nicht von ungefähr vermeldete der CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende Dirk-Frederik Stelling kürzlich einen neuen Mitgliederrekord für die Bremervörder CDU.

Bremervörde -

Ein großer Vorteil für seine Kandidatur sei, dass er quasi seit 30 Jahren Mitglieder für die Partei werbe, betont Frank Pingel. Zudem habe er in den vergangenen Wochen zahlreiche Gespräche mit CDU-Mitgliedern geführt und werde noch direkte Gespräche mit einigen Parteifreunden suchen. Die Reaktionen auf sein Vorhaben seien in den Gesprächen stets positiv gewesen. Zum einen werde seine Leistung der vergangenen Jahrzehnte anerkannt, zum anderen werde der Zeitpunkt seiner Kandidatur mit Blick auf sein Alter schlichtweg als logisch gesehen.
Drei Wahlperioden, also 15 Jahre im Amt des Bürgermeisters halte er für "gut möglich und machbar", sagt Pingel. Den Ausschlag für die Kandidatur habe letztlich der unerwartete Verzicht Detlev Fischers auf eine mögliche Wiederwahl gegeben. Pingel: "Es ist eine Chance, die ich angehen möchte."

Trumpfkarte "Erfahrung"

Bei seiner Bewerbung vor den anderen Mitgliedern setzt Pingel unter anderem auf die Trumpfkarte "Erfahrung" - auch mit Blick auf die kürzlich von der SPD (BZ berichtete) beklagte mangelnde Verwaltungserfahrung. Er entgegnet der politischen Konkurrenz: "14 Jahre als Vorsitzender oder stellvertretender Vorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion, neun Jahre im Verwaltungsausschuss und fünf Jahre als Vorsitzender des Finanzausschusses."

Seine Ämter hätten ihn mit detaillierten Kenntnissen versorgt, die gerade mit Blick auf die finanziell schwierigen nächsten Jahre hilfreich sein dürften, so Bankkaufmann Pingel. "Es ist auf jeden Fall ein Vorteil, wenn man weiß, was passiert, wenn ein Haushalt in Einklang gebracht werden kann, aber 2010 bei der Haushaltssicherung als Mehrheitsführer auch schon eine andere Situation erlebt hat." Gleichzeitig verfüge er über Kenntnisse vieler politischer Abläufe und sei mit Akteuren auf verschiedenen Entscheidungsebenen gut vernetzt. Als Beispiel nennt Pingel die Teilnahme an den Hintergrundgesprächen zur JVA-Planung. Pingel: "Ich habe mir viel Praxiswissen angeeignet." Dennoch lasse er sich natürlich viel von den Experten in der Verwaltung erklären und frage häufig nach.

Dass eine lange politische Karriere selten ohne Schlaglöcher verläuft, gibt Pingel unumwunden zu. Seine größte politische Niederlage erlitt er im August 2011. Nachdem es ihm als Mehrheitsführer im Stadtrat nicht gelang, die Parteilinie in der Schuldiskussion im Rat mehrheitsfähig zu machen, zog der 48-Jährige die Konsequenzen und trat von seinen Ämtern als Fraktions- und Gemeindeverbandsvorsitzender zurück. Bei der drei Wochen später stattfindenden Kommunalwahl verlor die CDU die Mehrheit im Rat.

Doch ohne seinen "konsequenten" (Pingel) Rücktritt wären die Verluste noch deutlich höher ausgefallen, sagt Pingel. Und: "Er selbst wurde - mit einem guten persönlichen Ergebnis - erneut in den Rat gewählt. Fünf Jahre später war er dann bereits wieder Vize-Fraktionsvorsitzender und Bremervörde Ortsbürgermeister. "Eine wichtige Erfahrung", sagt Pingel rückblickend. "Man sieht einiges gelassener und gewinnt an Status." Vor Fehlern sei eben niemand gefeit.

Darüber, dass sich die CDU schon früh auf einen Kandidaten festlegen will, freut sich Pingel. Obwohl der nominierte Kandidat deutlich stärker im öffentlichen Fokus stehen wird: Eine längere Vorbereitungszeit sei ein Vorteil gegenüber der politischen Konkurrenz. Keineswegs scheue er Gespräche mit den Bürgern.

Nur Gutes erzählt Pingel über seinen innerparteilichen Konkurrenten. Es werde vertrauensvoll in der Fraktion zusammengearbeitet und beruflich bestünden zwischen ihm und Stefan Imbusch viele Parallelen, sagt der Bänker. Beide hätten mit Finanzen zu tun und wiesen durch ihre Tätigkeit viele Kontakte zu Unternehmen und Bürgern in der Region auf. Ein Hauptunterschied liege in den politischen Erfahrungswerten und den Ehrenämtern. Pingel ist Präsident des Nordwestdeutschen Schützenbundes, Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Kreisverband Bremervörde und Vorsitzender des Vörder Yachtclubs. Bei Schützen und DRK trage er bereits Personalverantwortung.

Mit Blick auf das Bremervörder Rathaus sagt er: "Ich traue mir die anspruchsvolle Position des Bürgermeisters durchaus zu." Gleichzeitig biete sich "als Person, die von außen kommt" die Chance, einige Dinge frei von Zwängen der Vergangenheit in Frage zu stellen in Sachen Verwaltungshandeln, betont der Kandidat. Konkrete Punkte nennt er nicht, nur so viel: "Hier und da gibt es sicher Optimierungsbedarf", sagt Pingel, betont aber gleichzeitig die bislang stets gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung.

"Politischer Newcomer"

Sein Konkurrent hat noch nicht ganz so viel Erfahrung in der Kommunalpolitik gesammelt, hat aber ebenso entschlossen seinen Hut in den Ring geworfen. Er sei natürlich gewissermaßen ein "politischer Newcomer", formuliert es Imbusch. Doch viele Freunde und nicht zuletzt mehrere Fürsprecher aus der CDU hätten ihn zu einer Kandidatur ermutigt. "Das war der ausschlaggebende Moment", sagt der Nieder Ochtenhausener Ortsbürgermeister.

Die Politik wurde Stefan Imbusch ohnehin gewissermaßen in die Wiege gelegt. Sein Vater war lange Jahre Ortsbürgermeister und Stadtratsmitglied, und hatte – kurioserweise nach dem damaligen Rücktritt Frank Pingels – zwischenzeitlich sogar den CDU-Fraktionsvorsitz inne. Da verwundert es nicht, dass der zweifache Familienvater Stefan Imbusch vor der Kandidatur das Gespräch mit seinem Vater gesucht hat – und natürlich auch mit seiner Frau. Die Familie stehe hinter ihm und wolle ihn unterstützen. Zwar sei er auch ohnehin schon beruflich viel unterwegs, doch die Arbeitsbelastung als Bürgermeister werde sicher noch einmal größer sein, so Imbusch.

Gleichzeitig sei er bereits seit vier Jahren Ortsbürgermeister und Stadtratsmitglied. Der damit verbundene Aufwand für "Sitzungsvorbereitungen sowie die Planung von Veranstaltungen in der Ortschaft laufe zurzeit komplett nach Feierabend oder vor der Arbeit ab. Den Arbeitsaufwand scheue er dementsprechend keinesfalls - im Gegenteil: "Eine gute Vorbereitung war mir schon immer wichtig." Das sei schon in seiner Zeit als Fußballtrainer eine Art Lebensmotto gewesen, sagt Imbusch.

Apropos Fußball: "Ich möchte Probleme über den Zusammenhalt, als Team lösen", betont der Nieder Ochtenhausener. "Ich bin ein Teamplayer, das war schon immer mein Ding." Und gewissermaßen stellt er gerade eine Mannschaft zusammen. Denn aus der Tatsache, dass auch er fleißig neue Mitglieder geworben hat, die ihn bei der Nominierungsveranstaltung am 27. August unterstützen werden, macht Imbusch keinen Hehl: "Das gehört zum Wahlkampf dazu." Zwar sei er nicht von Haus zu Haus gelaufen, doch dafür vielfach direkt von Familie, Freunden, Nachbarn und beruflichen Weggefährten gefragt worden, wie man ihn bei seinem Vorhaben Bürgermeister zu werden unterstützen könne. "Diese Unterstützung nehme ich dankend an. Das trägt einen ein stückweit", sagt Imbusch.

Und Ausdauer wird er im Falle eines Siegs am 27. August bis zum Herbst 2021 definitiv brauchen. Dennoch findet auch Imbusch die frühe Entscheidung der CDU positiv. "Dann weiß die Partei wo man steht. Der Druck liegt dann bei den anderen Parteien." Nach der innerparteilichen Entscheidung könne dann in Ruhe beschlossen werden, wie der gemeinsame Weg weitergehen soll und dann das detaillierte Wahlkampfkonzept erarbeitet werden. Richtig losgehen werde es in Sachen Wahlkampf sowieso erst nach dem Jahreswechsel im Frühjahr.

Der kürzlich von der SPD geäußerte Kritikpunkt der mangelnden Verwaltungserfahrung sei durchaus berechtigt, sagt der Kandidat. "Aber meine berufliche Tätigkeit kommt einer Verwaltungstätigkeit durchaus nahe", so der Steuerfachangestellte. Definitiv bringe er ein gewisses "kaufmännisches Flair" mit. Gemeinsam mit den vielen Verwaltungsexperten im Rathaus könne das sicher sehr gut zusammenpassen, glaubt Imbusch. "Es kann nicht jeder alles wissen. Jeder hat andere Stärken." Es gelte, gemeinsam zu einem guten Ergebnis zu kommen.

Aktuell befinde er sich in einer sehr "spannenden Phase im Leben", so Imbusch. Angenehm daran sei der entspannte und freundliche Umgang, den er und Frank Pingel trotz der Konkurrenzsituation miteinander pflegen. Imbusch: "Jeder hat seine eigenen Ziele und Träume, aber wir haben keinen Stress miteinander und arbeiten in der Fraktion gut zusammen."


Die Entscheidung darüber, wer von den beiden Kandidaten seinem Ziel einen entscheidenden Schritt näher kommt, treffen am 27. August allerdings die Bremervörder CDU-Mitglieder.

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